Vom Uhrwerk zum digitalen Staat: Warum Bayern jetzt Erfindergeist braucht

Bayern will bei Künstlicher Intelligenz, Verwaltungsdigitalisierung und digitaler Wirtschaft an die europäische Spitze. Doch Programme, Plattformen und Investitionen allein schaffen noch keine Innovation. Entscheidend sind Menschen, die konkrete Probleme erkennen und daraus neue Lösungen entwickeln.
Bayern will bei Künstlicher Intelligenz, Verwaltungsdigitalisierung und digitaler Wirtschaft an die europäische Spitze. In der Aktuellen Stunde des Bayerischen Landtags haben Digitalminister Fabian Mehring, MdL, und Felix Locke, MdL, Schirmherr für Mittelfranken des Peter-Henlein-Preises 2026, dafür eine selbstbewusste Zwischenbilanz gezogen. Für die Peter-Henlein-Gesellschaft ist dabei vor allem ein Gedanke entscheidend: Große Programme allein schaffen noch keine Innovation. Am Anfang steht immer jemand, der ein konkretes Problem erkennt und eine bessere Lösung entwickelt.
Künstliche Intelligenz ist längst kein Thema mehr, das nur Forschungsabteilungen großer Technologiekonzerne betrifft. Sie verändert Produktionsabläufe, Dienstleistungen, Verwaltungen und Geschäftsmodelle. Felix Locke, MdL, verglich die Entwicklung in der Aktuellen Stunde mit früheren industriellen Umbrüchen: Die Dampfmaschine erweiterte die Muskelkraft, der Computer die Rechenleistung, Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend Routinedenken.
Man muss nicht jede politische Schlussfolgerung dieser Analogie teilen, um den Kern zu erkennen: Mit KI verändert sich nicht nur, wie einzelne Aufgaben erledigt werden. Es verändert sich auch, welche Produkte entstehen, welche Unternehmen wachsen und wo künftig Wertschöpfung stattfindet.
Felix Locke, MdL, formulierte daraus einen klaren Anspruch: Ideen dürfen nicht erst wahrgenommen werden, wenn aus ihnen bereits erfolgreiche Unternehmen geworden sind – sie müssen frühzeitig entdeckt, sichtbar gemacht und bei ihrer weiteren Entwicklung unterstützt werden.
Genau an dieser Stelle beginnt die Aufgabe der Peter-Henlein-Gesellschaft.
Ein digitaler Standort braucht mehr als digitale Infrastruktur
Minister Fabian Mehring, MdL, präsentierte im Landtag eine umfangreiche Bilanz. Er verwies auf kommunale Onlineleistungen, KI-Projekte in Behörden, digitale Zwillinge, offene Daten, neue Förderplattformen und die Erprobung der Deutschland-App in Nürnberg. Bayern sei zum Pilotland des Bundes für die digitale Transformation von Staat und Verwaltung geworden.
Hinzu kommen Investitionen in Hochschulen, KI-Professuren, Start-up-Finanzierung und Technologietransfer. Nach Darstellung von Staatsminister Fabian Mehring, MdL, fließt rund die Hälfte des deutschen Investitionskapitals für Start-ups und Digitalwirtschaft nach Bayern. Internationale Technologiekonzerne bauen ihre Präsenz insbesondere im Großraum München aus. Gleichzeitig zählt Minister Fabian Mehring, MdL, den Nürnberger ZOLLHOF zu den führenden europäischen Innovationsstandorten.
Das sind wichtige Voraussetzungen. Doch Infrastruktur, Förderprogramme und Kapital beantworten noch nicht die entscheidende Frage: Woher kommen die nächsten Ideen, die aus einer digitalen Möglichkeit eine praxistaugliche Lösung machen?
Sie entstehen nicht zwangsläufig in den Zentralen großer Konzerne. Sie können in einem kleinen fränkischen Betrieb entstehen, dessen Beschäftigte seit Jahren denselben unnötigen Arbeitsschritt beobachten. In einem Rathaus, in dem jemand eine bessere Möglichkeit zur Bearbeitung von Anträgen entwickelt. In einer Hochschule, einem FabLab, einer Werkstatt oder bei einer einzelnen Entwicklerin, die erkennt, dass ein kompliziertes Verfahren auch einfacher funktionieren könnte.
Ein Antrag darf keine digitale Blackbox sein
Besonders anschaulich wurde Felix Locke, MdL, beim Vergleich zwischen einem Versandunternehmen und einer Behörde. Während sich ein Paket beinahe in Echtzeit verfolgen lässt, verschwindet ein Antrag nach dem Absenden häufig in einem nicht einsehbaren Verfahren. Die Bürgerinnen und Bürger wissen nicht, wer ihn bearbeitet, wie lange es dauern wird oder ob noch Unterlagen fehlen.
Eine gute digitale Verwaltung besteht deshalb nicht nur aus Onlineformularen. Sie muss Abläufe verständlicher machen. Sie muss Rückfragen vermeiden, Bearbeitungsstände sichtbar machen und Bürgerinnen und Bürger zuverlässig durch ein Verfahren führen.
Dafür braucht es nicht immer die nächste große Plattform. Manchmal genügt eine gut gestaltete Benutzerführung. Manchmal braucht es eine neue Schnittstelle, eine automatische Vorprüfung, eine verständliche Statusanzeige oder eine Assistenz, die komplizierte Fachsprache übersetzt.
Auch das sind Erfindungen.
Vom großen Programm zur konkreten Lösung
Die politische Debatte konzentriert sich häufig auf Milliardenbeträge, Rechenzentren, Professuren und internationale Rankings. Für die tatsächliche Nutzung entscheiden jedoch oft kleinere, konkrete Entwicklungen:
Wie können Menschen mit wenig digitaler Erfahrung eine Verwaltungsleistung nutzen? Wie lassen sich Medienbrüche vermeiden? Wie können Kommunen Daten sinnvoll zusammenführen? Wie kann KI Beschäftigte entlasten, ohne Entscheidungen undurchsichtig zu machen? Wie können europäische Anbieter gegenüber internationalen Plattformen konkurrenzfähig werden?
Solche Fragen eignen sich nicht nur für Ministerien und große Softwarehäuser. Sie sind ein Feld für Einzelerfinderinnen und Einzelerfinder, Start-ups, kommunale Beschäftigte, Hochschulteams, Kreative und kleine Unternehmen.
Der Peter-Henlein-Preis setzt genau in dieser frühen Phase an. Er sucht Innovationen, die noch vor der Markteinführung stehen, und schließt damit eine Lücke zwischen erster Idee, Prototyp, öffentlicher Sichtbarkeit und späterer wirtschaftlicher Entwicklung.
Digitale Souveränität beginnt bei eigenen Ideen
Staatsminister Fabian Mehring, MdL, widmete einen wichtigen Teil seiner Rede der digitalen Souveränität. Bayern und Europa dürften bei kritischen Technologien nicht vollständig von wenigen außereuropäischen Anbietern abhängig werden. Der Staat könne deshalb selbst als Ankerkunde auftreten und heimischen Unternehmen erste Märkte eröffnen.
Dieser Gedanke ist für ein fränkisches Innovationsnetzwerk besonders interessant.
Ein Staat, der souveräner werden will, muss nicht nur große Unternehmen fördern. Er muss auch frühe Lösungen entdecken können. Er braucht Wege, auf denen aus einer Idee ein geschützter Prototyp, aus einem Prototyp ein Pilotprojekt und aus einem Pilotprojekt ein beschaffungsfähiges Produkt werden kann.
Die Peter-Henlein-Gesellschaft kann dabei eine vorgelagerte Rolle übernehmen:
Sie kann Ideen finden, bevor sie gründungsreif sind. Sie kann Entwicklerinnen und Entwickler mit Kommunen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammenbringen. Sie kann Sichtbarkeit schaffen, erste fachliche Rückmeldungen ermöglichen und erfolgversprechende Lösungen an weiterführende Programme vermitteln.
Nicht als Ersatz für staatliche Innovationsförderung, sondern als Zugang zu ihr.
Erfindergeist ist nicht analog oder digital
Peter Henlein steht für eine Erfindung, die ihre Zeitmessung aus großen öffentlichen Uhren und festen Räumen löste und tragbar machte. Entscheidend war nicht allein das technische Werk. Entscheidend war, dass Technik in einer neuen Form nutzbar wurde.
Diese Verbindung trägt auch in die Gegenwart. Der Peter-Henlein-Preis schlägt deshalb bewusst eine Brücke zwischen Mechanik und Software, zwischen Werkstatt und Code, zwischen physischem Prototyp und digitaler Anwendung.
Die digitale Transformation Bayerns wird nicht allein in München entschieden. Sie entscheidet sich auch in Bamberg und Bayreuth, in Erlangen, Nürnberg und Würzburg, in den Landkreisen und Kommunen, in mittelständischen Unternehmen, Hochschulen und Werkstätten.
Dort sitzen Menschen, die nicht nur über die Zukunft sprechen. Sie bauen bereits an ihr.
Die Aufgabe eines fränkischen Innovationsnetzwerks besteht darin, diese Menschen früher zu finden, ihre Ideen ernst zu nehmen und ihnen den nächsten Schritt zu ermöglichen.
Denn ein digitaler Staat braucht nicht nur Programme, Plattformen und Rechenleistung. Er braucht Erfindergeist.
„Wir müssen jetzt die Weichen stellen. Wir müssen jetzt Erfindergeist, wir müssen jetzt Investitionen, wir müssen jetzt Unternehmertum fördern."
— Felix Locke, MdL, Schirmherr für Mittelfranken des Peter-Henlein-Preises 2026
Der Peter-Henlein-Preis beschäftigt sich mit frühem Erfindergeist, Innovation und neuen Technologien aus Franken.
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