Manchmal braucht eine Innovation zuerst die richtige Tür
Michael Maderer über die Chancen früher Ideen, Finanzierung und Bürokratie, Innovation im ländlichen Raum – und darüber, warum ein gutes Netzwerk manchmal genau den Kontakt herstellen kann, der für den nächsten Schritt fehlt.

Michael Maderer, Fraktionsvorsitzender der CSU im Bezirkstag Mittelfranken.
Bildnachweis: Michael Maderer
Eine gute Idee allein reicht selten aus. Wer aus einem Prototyp eine erfolgreiche Anwendung machen will, braucht Finanzierung, Partner, einen Markt – und mitunter jemanden, der die richtige Tür öffnet. Michael Maderer kennt diese Schnittstellen aus zwei Perspektiven: Seit rund 30 Jahren arbeitet er im Finanzbereich und hat dabei mit zahlreichen mittelständischen Unternehmen zu tun. Gleichzeitig bringt er als langjähriges Mitglied des Bezirkstags von Mittelfranken kommunal- und regionalpolitische Erfahrung mit.
Im Taktgeber-Interview spricht das Jurymitglied des Peter-Henlein-Preises darüber, woran er das Potenzial einer frühen Innovation erkennt, weshalb kleinere Finanzierungen stärker in den Blick gehören und welche Rolle Landkreise, Wirtschaftsförderungen und regionale Netzwerke spielen können. Dabei geht es auch um eine praktische Frage des Peter-Henlein-Netzwerks: Was kann ein Jurymitglied tun, wenn einer guten Idee vor allem der richtige Ansprechpartner fehlt?
Roland Weiniger: Du bist Diplom-Betriebswirt und seit vielen Jahren in der Regionalpolitik tätig. Wenn Dir eine noch junge Innovation begegnet: Woran erkennst Du, ob aus einer guten Idee tatsächlich etwas entstehen kann, das sich in der Praxis bewährt?
Michael Maderer: Zuerst einmal schaue ich mir die Person an, die mir ihre Innovation präsentiert. Wichtig ist, dass sie für ihre Innovation „brennt“ und diese auch mir überzeugend verkaufen kann.
Im zweiten Schritt geht es dann um die Innovation: Bietet diese einen relevanten Nutzen und löst echte Probleme bzw. Bedürfnisse.
Wichtig ist auch immer, herauszufinden, ob es einen Markt für diese Innovation gibt und ob diese Innovation bei Markteintritt leicht kopiert werden kann.
Ist mein Gefühl nach der Analyse dieser Fragen positiv, bin ich überzeugt, dass aus einer Idee etwas entstehen wird, dass Potenzial für einen dauerhaften Erfolg hat.
Roland Weiniger: Viele Erfindungen scheitern nicht daran, dass die Idee schlecht ist, sondern auf dem Weg vom Prototyp zur ersten Anwendung. Wo siehst Du aus Deiner Erfahrung die größten Hürden – bei Finanzierung und Investitionen, bei fehlenden Partnern, bei bürokratischen Anforderungen oder ganz woanders?
Michael Maderer: Es ist eigentlich ein Mix aus den angesprochenen Punkten, die unsere innovativen Ideen teilweise behindern und die Personen auf ihrem Weg, diese Ideen umzusetzen, scheitern lässt.
Die Banken haben heute Hürden für Finanzierungen und verlangen Sicherheiten, die Unternehmen oder Einzelpersonen nicht stellen können. Die Bürokratie ist enorm und stellt hohe Herausforderungen dar. Wird ein Häkchen auf einem Fragebogen falsch gesetzt, kann das gravierende Folgen haben. Davon müssen wir weg und Innovationen und Ideen von allen Seiten unterstützen, um Deutschland weiterzubringen.
Partner, die Ideen unterstützen, gibt es einige, aber dabei ist es wichtig, auch kleinere Investments zu unterstützen und nicht nur z.B. im KI-Bereich mit Millionensummen zu investieren, da man einen schnellen Return auf sein Investment erwartet.
Unseren Ideengebern reichen oft kleinere Beträge oder Hilfen, aber wichtig ist hier, auch einen „langen Atem“ mitzubringen, bis sich das Investment rechnen kann.
Roland Weiniger: Der Peter-Henlein-Preis möchte Erfindergeist ausdrücklich nicht nur an den großen Hochschul- und Technologiestandorten finden. Was können Politik und regionale Netzwerke tun, damit auch Innovationen aus kleineren Städten, Gemeinden, Handwerksbetrieben oder mittelständischen Unternehmen sichtbar werden und eine Chance bekommen?
Michael Maderer: Wichtig ist meiner Meinung nach in diesem Fall, dass es in jedem Landkreis Wirtschaftsförderer gibt oder entsprechende Wirtschaftsnetzwerke im Verbund der Landratsämter mit der IHK und den Banken, damit Innovationen auch im ländlichen Raum gefördert werden. Hier wird allerdings bereits in den letzten Jahren viel gemacht und auch als Metropolregion wird solchen Innovationen z.B. durch den jährlich stattfindenden Wissenschaftstag ein Platz eingeräumt.
Roland Weiniger: Der Bezirk Mittelfranken ist selbst mit sehr unterschiedlichen Einrichtungen und Aufgaben verbunden. Können solche öffentlichen Strukturen aus Deiner Sicht stärker zu Orten werden, an denen neue Lösungen erprobt und erste praktische Erfahrungen gesammelt werden?
Michael Maderer: Mit Sicherheit können wir auch als Bezirk Mittelfranken neue Lösungen erproben. Wir stehen solchen Lösungen immer offen gegenüber, wenn diese unsere Aufgaben erleichtern oder einen Mehrwert schaffen.
Roland Weiniger: Gerade in klassischen Wirtschafts- und Lebensbereichen entstehen Innovationen häufig eher unspektakulär – durch neue Verfahren, Maschinen oder praktische Verbesserungen. Wird dieser Erfindergeist aus Deiner Sicht in der öffentlichen Wahrnehmung bislang ausreichend gesehen?
Michael Maderer: Ja, das glaube ich schon, aber es gibt immer Verbesserungspotenzial.
Wir dürfen nicht aufhören, Gründer und die Innovationskultur zu stärken und zu unterstützen.
Roland Weiniger: Beim Peter-Henlein-Preis fragen wir inzwischen ganz bewusst: „Was braucht Deine Idee oder Innovation als Nächstes?“ Wenn Du bei einer Einreichung erkennst, dass beispielsweise ein Praxispartner, ein kommunaler Kontakt, eine öffentliche Einrichtung oder der Zugang zu einem regionalen Netzwerk weiterhelfen könnte: Wo siehst Du Möglichkeiten, über Deine Erfahrungen und Kontakte selbst eine Verbindung herzustellen oder zumindest den richtigen Ansprechpartner zu finden?
Michael Maderer: Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit im Finanzbereich seit 30 Jahren habe ich mit vielen mittelständischen Unternehmen zu tun und verfüge über ein sehr großes Netzwerk. Dieses pflege ich ausgiebig, da „Vernetzen“ mir viel Spaß macht.
Durch meine ehrenamtliche politische Tätigkeit habe ich ebenfalls gute Kontakte zu Kommunen und öffentlichen Einrichtungen.
So bin ich in der Lage, zu unterstützen und schnell einen richtigen Ansprechpartner zu finden, um vielleicht auch die oben angesprochenen Bürokratiehürden im Einzelfall leichter überspringen zu können oder um einfach eine „Türe“ für eine Innovation leichter und schneller aufzumachen.
„So bin ich in der Lage, zu unterstützen und schnell einen richtigen Ansprechpartner zu finden, um einfach eine ‚Türe‘ für eine Innovation leichter und schneller aufzumachen."
— Michael Maderer
Gesprächshinweis
Michael Maderer
Fraktionsvorsitzender der CSU im Bezirkstag Mittelfranken
Das Gespräch führte Roland Weiniger für den Taktgeber der Peter-Henlein-Gesellschaft für fränkischen Erfindergeist. Michael Maderer gehört 2026 zur Jury des Peter-Henlein-Preises und ist bereits seit 2025 als Jurymitglied dabei.
Der Peter-Henlein-Preis fragt bei Einreichungen nicht nur nach der Innovation, sondern auch danach: „Was braucht Ihre Idee oder Innovation als Nächstes?“. Michael Maderers Antwort auf Frage 6 zeigt dafür ein konkretes Beispiel: Ein Jurymitglied kann bei einer passenden Innovation möglicherweise einen Kontakt zu einem Unternehmen, einer Kommune oder einer öffentlichen Einrichtung herstellen. Daraus lässt sich keine Garantie auf Vermittlung oder Unterstützung ableiten – es handelt sich um eine mögliche Netzwerkfunktion im Einzelfall.
Der Peter-Henlein-Preis beschäftigt sich mit frühem Erfindergeist, Innovation und neuen Technologien aus Franken.
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