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Peter-Henlein-Preis
FRANKEN · 2026
TaktgeberInterview· Porzellanikon
TAKTGEBER · PETER-HENLEIN-PREIS
InterviewPorzellanikon

Wenn ein paar Prozent eine Technologie verändern

Christoph Neeb vom Porzellanikon über 3D-Druck mit High-Tech-Keramik, kleine Veränderungen mit großer Wirkung und die Frage, wie ein Museum selbst zum Ort für neue Erfindungen werden kann.

13. Oktober 2026von Roland WeinigerOberfranken3 Min. Lesezeit
Christoph Neeb, Porzellanikon Selb, Jury-Mitglied des Peter-Henlein-Preises 2026

Christoph Neeb, Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan in Selb.

Bildnachweis: Porzellanikon, Selb

Porzellan verbinden viele zunächst mit Geschirr, Design oder Kunsthandwerk. Dass keramische Werkstoffe heute auch in Triebwerken, Filtern, Elektronik, Energietechnik oder Zukunftstechnologien eine Rolle spielen, ist außerhalb der Fachwelt deutlich weniger sichtbar.

Christoph Neeb beschäftigt sich genau mit dieser Seite des Werkstoffs. Am Porzellanikon in Selb verantwortet er den Bereich Technische Keramik und arbeitet zugleich an der Vermittlung technischer Zusammenhänge. Dabei begegnet ihm Erfindergeist nicht nur in großen technologischen Sprüngen. Manchmal genügt eine veränderte Zusammensetzung, ein anderes Herstellungsverfahren oder eine neue Geometrie, damit plötzlich Anwendungen möglich werden, an die vorher niemand gedacht hat.

Für den Taktgeber haben wir mit ihm darüber gesprochen, warum gerade Technische Keramik noch viel Raum für neue Ideen bietet, wann aus einer Verbesserung tatsächlich eine Innovation wird – und weshalb ein Museum selbst zur Anlaufstelle für Tüftler werden kann.

Roland Weiniger: Herr Neeb, viele Menschen verbinden Porzellan zunächst mit Geschirr, Kunsthandwerk und Design. Als Kurator für Technische Keramik beschäftigen Sie sich dagegen mit einem Werkstoff, der unter anderem in Industrie, Medizin, Elektronik und Energietechnik eingesetzt wird. Welche Anwendungen zeigen besonders eindrucksvoll, wie viel Erfindergeist heute in keramischen Werkstoffen steckt?

Christoph Neeb: Technische Keramik bietet als relativ junger Werkstoff noch viel Raum für neue Entwicklungen. Auf diesem Gebiet ist es noch möglich, als kleiner, innovativer Hersteller neue Nischen und Anwendungen zu erschließen.

Mit Techniken wie dem 3D-Druck von High-Tech-Keramiken können technische Bauteile, die Jahrzehnte auf die eine Art hergestellt wurden, plötzlich völlig neu gedacht und optimiert werden. Ein Beispiel dafür sind optimierte Kühlkörper oder Triebwerksteile. Hier können plötzlich Geometrien verwirklicht werden, die vorher nicht vorstellbar waren.

Hier sind es häufig kleine Unternehmen, die die Möglichkeiten von technischer Keramik entdecken und neue Wege einschlagen. Besonders eindrucksvoll finde ich die Entwicklungen auf dem Bereich von keramischen Filtermembranen, mit denen mittlerweile sogar Gase gefiltert beziehungsweise voneinander getrennt werden können.

Roland Weiniger: Nicht jede Innovation ist auf den ersten Blick spektakulär. Manchmal liegt der Fortschritt in einem neuen Material, einem veränderten Herstellungsverfahren oder einer Verbesserung, die nur Fachleute sofort erkennen. Woran lässt sich unterscheiden, ob es sich lediglich um eine Optimierung oder tatsächlich um einen erfinderischen Schritt handelt?

Christoph Neeb: Bezogen auf Keramik lässt sich das wohl am besten daran erkennen, ob neue Anwendungsfelder damit erschlossen werden. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass komplett neue Materialien entstehen müssen.

Häufig kann eine Verbesserung um ein paar Prozentpunkte dazu führen, dass ein neues „Technologielevel freigespielt“ wird. Da Keramik auch bei Zukunftstechnologien wie Akkutechnik oder Supraleitung eine vielversprechende Rolle spielt, bei denen es um jedes Prozent Effizienz oder jedes Grad an Temperatur geht, können kleine Innovationen häufig eine riesige Wirkung haben.

Hier bringt manchmal eine kleine Änderung in der Herstellungstechnik oder eine neue Idee bei der Zusammensetzung den großen Durchbruch. Allgemein würde ich jedoch sagen, dass ein echter erfinderischer Schritt immer damit verbunden ist, neue Wege zu gehen und klassische Herangehensweisen in Frage zu stellen. Das beginnt häufig mit dem ersten Schritt, ein Problem zu identifizieren, das andere vielleicht gar nicht sehen, und dann nach einer kreativen Lösung zu suchen.

Roland Weiniger: Der Peter-Henlein-Preis fragt bei jeder Einreichung: „Was braucht Ihre Idee oder Innovation als Nächstes?“ Welche konkrete Unterstützung könnte das Porzellanikon einer frühen material- oder produktionsbezogenen Idee bieten?

Christoph Neeb: Wir bekommen häufig Anfragen zum 3D-Druck in Keramik. Gestalter, Künstler und Tüftler haben Ideen, die sie gerne in Keramik umsetzen wollen und brauchen Hilfe beim ersten Schritt.

Ich lasse mir solche Ideen dann erklären beziehungsweise schaue mir die Modelle an und kann in der Regel sehr schnell sehen, ob ein Druck mit unserem Extruderdrucker dafür infrage kommt. Sollte dies der Fall sein, laden wir gerne ins Museum ein und experimentieren gemeinsam mit dem Druck.

Bei allen anderen – der Extruderdruck ist leider in seinen Möglichkeiten sehr eingeschränkt – ziehe ich unsere Keramikexperten hinzu und wir überlegen, wie die Idee umsetzbar sein könnte und vermitteln Kontakte zu Herstellern oder Experten.

Mit dem Makerspace, der gerade in der Entstehung ist, werden wir in Zukunft natürlich viel mehr Möglichkeiten haben. Zum Einstieg stehen fünf 3D-Drucker und ein Lasercutter zur Verfügung, da lassen sich schon viele Ideen umsetzen. Das genaue Format ist noch nicht klar, aber mein Ziel ist, in Zukunft bei noch mehr Anfragen Hilfe anbieten zu können und das Porzellanikon als Anlaufstelle für künstlerisch und technisch kreative Menschen in der Umgebung zu etablieren.

„Häufig kann eine Verbesserung um ein paar Prozentpunkte dazu führen, dass ein neues ‚Technologielevel freigespielt‘ wird."

— Christoph Neeb · Porzellanikon

CN

Gesprächshinweis

Christoph Neeb

Technische Keramik · Porzellanikon Selb

Das Gespräch führte Roland Weiniger für den Taktgeber der Peter-Henlein-Gesellschaft für fränkischen Erfindergeist. Christoph Neeb ist am Porzellanikon in Selb für den Bereich Technische Keramik tätig und gehört 2026 zur Jury des Peter-Henlein-Preises.

Der Peter-Henlein-Preis beschäftigt sich mit frühem Erfindergeist, Innovation und neuen Technologien aus Franken.

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Einreichungsschluss: 02. Oktober 2026, 18:00 Uhr. Offen für frühe Ideen, Prototypen und Erfindungen aus Franken.

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