Innovation entsteht nicht nur im Start-up: Warum der Peter-Henlein-Preis den fränkischen Erfindergeist breiter denkt
Ein Grundsatzartikel zur Idee hinter dem Peter-Henlein-Preis

Innovation entsteht nicht nur im Coworking-Space. Gerade in Franken entstehen neue Lösungen oft in Unternehmen, Werkstätten, Handwerksbetrieben, Entwicklungsabteilungen und kleinen Teams. Der Peter-Henlein-Preis macht diese Breite sichtbar.
Wenn über Innovation gesprochen wird, entstehen schnell die vertrauten Bilder: ein junges Start-up im Coworking-Space, ein Gründerteam vor dem Laptop, eine neue App, ein Pitchdeck, eine Finanzierungsrunde. Diese Bilder sind nicht falsch. Start-ups bringen Tempo, Mut, neue Geschäftsmodelle und die Bereitschaft mit, Dinge radikal anders zu denken.
Aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Gerade in Franken entsteht Innovation oft an anderen Orten: in mittelständischen Unternehmen, in Entwicklungsabteilungen, in Handwerksbetrieben, bei Zulieferern, in Werkstätten, in Familienunternehmen, in Hochschulprojekten oder in kleinen Teams innerhalb bestehender Betriebe. Manchmal beginnt eine Idee auch bei Menschen, die zunächst neben ihrer eigentlichen Arbeit an einer Lösung tüfteln.
Der Peter-Henlein-Preis für fränkischen Erfindergeist nimmt genau diese Breite in den Blick.
Innovation ist mehr als Gründung
Einzelerfinderinnen, Einzelerfinder und Start-ups gehören selbstverständlich zur Innovationslandschaft. Ohne sie würden viele neue Ideen nie sichtbar. Sie stellen Fragen, die etablierte Strukturen manchmal zu spät stellen. Sie greifen technologische Entwicklungen früh auf, testen neue Geschäftsmodelle und bringen Bewegung in Märkte.
Wer aber wissen will, wo Innovation in der Breite entsteht, muss auch auf bestehende Unternehmen schauen. Auf Betriebe, die Maschinen verbessern. Auf Handwerkerinnen und Handwerker, die für ein praktisches Problem eine neue Lösung entwickeln. Auf Produktionsunternehmen, die Abläufe verändern. Auf Mittelständler, die Materialien, Werkzeuge, Verfahren, Produkte oder digitale Anwendungen weiterentwickeln. Auf Entwicklungsabteilungen, in denen aus Kundenkontakt, technischer Erfahrung und Marktkenntnis neue Lösungen entstehen.
Innovation ist nicht nur der Moment der Gründung. Innovation ist auch Verbesserung, Anwendung, Umsetzung und der Weg in die Praxis.
Die Zahlen stützen diesen Blick
Deutschland investiert jedes Jahr enorme Summen in Forschung, Entwicklung und Innovation. Der größte Teil davon entsteht nicht bei Einzelpersonen, sondern in Unternehmen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2024 in Deutschland 137,1 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Unternehmen trugen davon 92,5 Milliarden Euro und damit mehr als zwei Drittel.
Auch die Innovationserhebung des ZEW Mannheim zeigt, wie stark Innovation in der Wirtschaft verankert ist: 2024 gaben Unternehmen in Deutschland rund 213,3 Milliarden Euro für Innovationen aus. Der größte Anteil entfiel auf Großunternehmen. Kleine und mittlere Unternehmen investierten dennoch fast 35 Milliarden Euro.
Das schmälert die Bedeutung von Start-ups nicht. Im Gegenteil: Sie sind ein entscheidender Teil des Ökosystems. Auch Nürnberg und die Metropolregion haben sich als Gründungsstandort sichtbar entwickelt. Aber die Innovationskraft einer Region entscheidet sich nicht allein daran, wie viele neue Unternehmen entstehen. Sie entscheidet sich auch daran, ob bestehende Unternehmen neue Ideen entwickeln, testen, schützen, sichtbar machen und in Anwendung bringen können.
Gerade Franken hat dafür starke Voraussetzungen.
Fränkischer Erfindergeist ist oft leiser, als er sein müsste
Der fränkische Erfindergeist ist selten laut. Er entsteht oft aus der Nähe zur Praxis: aus einem wiederkehrenden Problem im Betrieb, aus einer Kundenanforderung, aus einer Maschine, die besser laufen müsste, aus einem Arbeitsschritt, der zu lange dauert, aus einem Material, das anders eingesetzt werden könnte, oder aus einer digitalen Anwendung, die einen analogen Prozess endlich einfacher macht.
Viele dieser Ideen tauchen in keiner Start-up-Statistik auf. Manche werden nie als „Innovation" bezeichnet, obwohl sie genau das sind. Sie entstehen im laufenden Betrieb, zwischen Auftrag, Fertigung, Service, Entwicklung und Kundenkontakt. Sie sind manchmal zu speziell für klassische Gründerprogramme, zu früh für den Markt oder zu vertraulich für eine öffentliche Präsentation.
Genau hier kann der Peter-Henlein-Preis eine besondere Rolle spielen.
Eine Bühne für Innovationsprojekte aus Franken
Der Peter-Henlein-Preis zeichnet Innovationen aus Franken aus, die einen nächsten Schritt brauchen: mehr Sichtbarkeit, fachliche Anerkennung, Rückmeldung, Vernetzung, öffentliche Aufmerksamkeit oder Unterstützung auf dem Weg in die Anwendung.
Damit richtet sich der Preis ausdrücklich nicht nur an Start-ups oder Einzelerfinder. Bewerben können sich auch Unternehmen, Handwerksbetriebe, Hochschul- und Entwicklungsteams sowie Menschen, die innerhalb eines bestehenden betrieblichen Umfelds an einer neuen Lösung arbeiten.
Der entscheidende Punkt ist nicht, ob eine Innovation in einer Garage, einem Labor, einem Maschinenraum, einer Werkstatt, einem Büro oder einem Coworking-Space entstanden ist. Entscheidend ist, ob sie ein echtes Problem löst, ob sie neu gedacht ist, ob sie in Franken entwickelt wurde und ob sie das Potenzial hat, sichtbar, nutzbar und wirksam zu werden.
Wer kann sich angesprochen fühlen?
Der Peter-Henlein-Preis richtet sich an Einzelerfinderinnen und Einzelerfinder, Start-ups, Unternehmen, Handwerksbetriebe, Hochschul- und Entwicklungsteams sowie Menschen, die innerhalb eines bestehenden betrieblichen Umfelds an einer neuen Lösung arbeiten.
Peter Henlein steht für Anwendung, nicht für Abstraktion
Peter Henlein steht nicht für abstrakte Theorie. Sein Name steht für Präzision, Handwerk, technische Umsetzung und den Mut, etwas Tragbares, Nutzbares und Neues zu schaffen. Genau deshalb passt er zu einem Preis, der Innovation nicht auf eine Szene verengt.
Fränkischer Erfindergeist war nie nur eine Frage großer Forschungsabteilungen. Aber er war auch nie nur eine Frage einzelner Genies. Er entsteht dort, wo Können, Erfahrung, Mut, Technik und Anwendung zusammenkommen. Wie eng Handwerk, Handel und Wissen im historischen Nürnberg zusammenwirkten, zeigt auch der Beitrag über Peter Henlein und den „Nürnberger Witz".
Heute kann das ein digitaler Prototyp sein. Eine neue Sensorlösung. Eine Verbesserung in der Fertigung. Ein Werkzeug. Eine Materialidee. Eine Softwareanwendung. Eine Lösung für Pflege, Energie, Mobilität, Produktion, Handwerk, Medizin, Bildung, Kultur oder Alltag. Eine kleine technische Veränderung mit großer Wirkung. Oder ein Produkt, das aus einer betrieblichen Erfahrung heraus entstanden ist und nun erstmals ein größeres Publikum erreichen soll.
Franken braucht eine breitere Innovationsbühne
Viele Innovationspreise sprechen vor allem Start-ups an. Andere richten sich an Unternehmen, die mit ihren Produkten bereits erfolgreich am Markt sind. Dazwischen liegt eine wichtige Phase: der Moment, in dem eine Idee nicht mehr nur Gedanke ist, aber auch noch nicht selbstverständlich sichtbar wird.
Ein Prototyp. Ein Pilot. Eine technische Lösung. Ein neues Verfahren. Ein früher Anwendungstest. Ein Projekt, das aus dem geschützten Raum heraus den nächsten Schritt gehen muss.
Der Peter-Henlein-Preis will genau diese Phase sichtbar machen. Er soll Menschen und Unternehmen ermutigen, ihre Innovationsprojekte nicht in der Schublade zu lassen. Er soll zeigen, dass Erfindergeist nicht nur dort entsteht, wo bereits Wagniskapital, Presse und Pitchbühnen vorhanden sind. Und er soll deutlich machen: Wer in Franken Neues entwickelt, gehört auf eine Bühne.
Gesucht werden die nächsten fränkischen Innovationsprojekte
Der Peter-Henlein-Preis sucht deshalb nicht nur die große Gründungsgeschichte. Er sucht die gute Lösung. Den klugen Prototyp. Das praktische Verfahren. Die neue Anwendung. Den nächsten Schritt aus der Werkstatt, aus dem Betrieb, aus dem Labor, aus der Hochschule oder aus dem Entwicklungsteam.
Franken hat nicht nur Start-ups. Franken hat Unternehmen, Handwerk, Industrie, Kreativität, Hochschulen, Werkstätten, Familienbetriebe und Menschen, die Probleme lösen wollen.
Genau dort entsteht Erfindergeist.
Und genau dort sollte er sichtbar werden.
Quellen & Links
Der Peter-Henlein-Preis beschäftigt sich mit frühem Erfindergeist, Innovation und neuen Technologien aus Franken.
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