Franken prägt den Bayerischen Gründerpreis – doch Innovation beginnt lange vor der Preisverleihung
Drei Auszeichnungen gehen nach Franken, ein weiteres fränkisches Unternehmen erreicht das Finale: Der Bayerische Gründerpreis 2026 zeigt, wie breit die Innovationskraft der Region aufgestellt ist.

Die Preisverleihung fand in der BMW Welt in München statt. Eine besonders deutliche regionale Spur führte jedoch nach Franken: TigerShark Science aus Würzburg gewann in der Kategorie Start-up. Die Apotheke am Bohlenplatz aus Erlangen wurde für ihre erfolgreiche Unternehmensnachfolge ausgezeichnet. Der Preis für das Lebenswerk ging an Christoph Mix von Kräuter Mix aus Abtswind. Mit fiveD stand zudem ein weiteres Erlanger Hightech-Unternehmen im Finale der Start-up-Kategorie.
Diese Beispiele erzählen keine einheitliche Gründungsgeschichte. Genau darin liegt ihre Stärke. Sie zeigen vier unterschiedliche Wege, auf denen aus Wissen, Erfahrung und unternehmerischem Mut Innovation entstehen kann: als Ausgründung aus der Forschung, als anspruchsvolle technologische Entwicklung, als Erneuerung eines bestehenden Betriebs oder als jahrzehntelange Weiterentwicklung eines Familienunternehmens.
Wenn aus Forschung eine konkrete Anwendung wird
TigerShark Science entwickelt in Würzburg realitätsnahe menschliche Hautmodelle für Forschung sowie für die Pharma- und Kosmetikindustrie. Das Unternehmen ist eine Ausgründung aus dem Fraunhofer-Umfeld und verfolgt das Ziel, Tierversuche durch moderne In-vitro-Modelle auf Basis menschlicher Stammzellen zu reduzieren.
Die Auszeichnung macht sichtbar, was gelungener Forschungstransfer leisten kann: Wissenschaftliche Erkenntnisse bleiben nicht im Labor, sondern werden in eine anwendbare Technologie übersetzt. Daraus entsteht ein Geschäftsmodell, das wirtschaftliches Potenzial mit einem konkreten gesellschaftlichen Nutzen verbindet.
Hightech muss nicht aus München kommen
Mit fiveD erreichte ein weiteres fränkisches Unternehmen das Finale der Kategorie Start-up. Die Erlanger Firma entwickelt digitale Zwillinge und hochpräzise Simulationen für moderne Radarsysteme. Damit können Radarsensoren virtuell entwickelt, erprobt und verbessert werden, bevor aufwendige reale Tests stattfinden.
Das Beispiel steht für eine Stärke, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt wird: Franken verfügt über ein enges Zusammenspiel von Hochschulen, Forschung, industrieller Anwendung und spezialisierten Technologieunternehmen. Nicht jede dieser Innovationen ist auf den ersten Blick sichtbar oder leicht zu erklären. Ihre Wirkung kann dennoch weit über die Region hinausreichen.
Innovation beginnt nicht immer mit einer Neugründung
Die Apotheke am Bohlenplatz zeigt eine andere Seite des Innovationsgeschehens. Das Erlanger Unternehmen wurde erfolgreich in die nächste Generation geführt und zugleich fachlich weiterentwickelt. Ein modernes Reinraumlabor ermöglicht die Herstellung steriler Spezialrezepturen insbesondere für die Augenheilkunde. Damit versorgt die Apotheke heute Arztpraxen sowie Patientinnen und Patienten in ganz Deutschland.
Hier besteht die Innovation nicht darin, ein Start-up auf der grünen Wiese zu gründen. Sie entsteht durch eine gelungene Nachfolge, neue Verfahren, fachliche Spezialisierung und Investitionen in die Zukunft eines bestehenden Betriebs. Das ist gerade für den fränkischen Mittelstand eine wichtige Botschaft: Erfindergeist zeigt sich auch dort, wo Bewährtes nicht bloß übernommen, sondern weitergedacht wird.
Ein Familienunternehmen über Jahrzehnte weiterentwickeln
Der Preis für das Lebenswerk ging an Christoph Mix von der Kräuter Mix GmbH aus Abtswind. Gewürdigt wurde ein Unternehmertum, das langfristiges Wachstum mit regionaler Verwurzelung, Qualitätsanspruch und Verantwortung verbindet.
Ein Lebenswerk entsteht nicht aus einer einzigen spektakulären Idee. Es entsteht aus vielen Entscheidungen: investieren oder abwarten, Neues ausprobieren oder am Gewohnten festhalten, wachsen und dennoch die eigene Identität bewahren. Kräuter Mix steht damit für eine Form von Innovation, die nicht auf den schnellen Effekt zielt, sondern auf kontinuierliche Weiterentwicklung über Jahrzehnte und Generationen hinweg.
Vor jeder Erfolgsgeschichte steht eine frühe Idee
Der Bayerische Gründerpreis würdigt Unternehmen und Persönlichkeiten, die bereits unternehmerisch gewachsen sind. Seine Kategorien reichen vom jungen Start-up über dynamische Wachstumsunternehmen und gelungene Nachfolgen bis zum Lebenswerk.
Der Peter-Henlein-Preis setzt bewusst früher an.
Er sucht Ideen, Erfindungen, Prototypen und innerbetriebliche Innovationen aus Franken, deren weiterer Weg noch nicht feststeht. Es muss noch kein Unternehmen gegründet, kein Markt erobert und keine lange Wachstumsgeschichte geschrieben worden sein.
Angesprochen sind Einzelerfinderinnen und Einzelerfinder ebenso wie Forschungsteams, Start-ups, Handwerksbetriebe, kleine und mittlere Unternehmen, Hochschulprojekte und Beschäftigte, die im Arbeitsalltag eine neue technische, digitale, analoge oder organisatorische Lösung entwickelt haben.
Der Peter-Henlein-Preis ist deshalb kein Gegenmodell zu bestehenden Gründer- und Wirtschaftspreisen. Er versteht sich als vorgelagerter Baustein einer Innovationskette:
Idee → Prototyp → Validierung → Schutz und Weiterentwicklung → Gründung oder Markteinführung → Wachstum
Franken hat kein Ideenproblem
Franken verbindet Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit einem industriell geprägten Mittelstand, leistungsfähigem Handwerk, Familienunternehmen, einer wachsenden Gründungsszene, Kreativwirtschaft und zahlreichen Menschen, die Probleme lieber praktisch lösen, als lange über sie zu sprechen.
Die entscheidende Herausforderung liegt deshalb häufig nicht darin, neue Ideen zu erzeugen. Sie liegt darin, diese Ideen rechtzeitig zu entdecken, ihren Wert zu erkennen, sie zu schützen und mit den richtigen Partnern zu verbinden.
Genau an dieser Stelle setzt die Peter-Henlein-Gesellschaft an. Sie will frühe Innovationen sichtbar machen, bevor sie in fertigen Produkten, erfolgreichen Unternehmen oder großen Auszeichnungen münden. Der Preis schafft einen ersten Anlass, eine Idee zu beschreiben, prüfen zu lassen und aus dem unmittelbaren Arbeits- oder Forschungsumfeld herauszuführen.
Gesucht: die nächsten Ideen aus Franken
Für den Peter-Henlein-Preis 2026 können Innovationen aus Mittel-, Ober- und Unterfranken eingereicht werden.
Gesucht werden noch nicht breit am Markt etablierte Produkte und Verfahren, erste Prototypen, technische Entwicklungen, digitale und analoge Lösungen, Ergebnisse aus Forschung und Wissenschaft sowie innerbetriebliche Innovationen aus kleinen und mittleren Unternehmen. Auch kreative Ideen mit wirtschaftlichem oder gesellschaftlichem Potenzial sind ausdrücklich willkommen.
Eine Bewerbung ist auch dann möglich, wenn die Lösung noch nicht vollständig entwickelt ist. Entscheidend ist, dass sie ein konkretes Problem auf neue Weise löst und erkennen lässt, welches Potenzial in ihr steckt.
Einreichungsschluss ist der 2. Oktober 2026.
Mehr über den Peter-Henlein-Preis erfahren
Die fränkischen Erfolge beim Bayerischen Gründerpreis zeigen, welches Potenzial in der Region steckt. Die nächste große Erfolgsgeschichte ist möglicherweise noch kein Unternehmen, sondern zunächst nur eine Idee. Genau diese Ideen will die Peter-Henlein-Gesellschaft finden.
„Heute Peter-Henlein-Preis, morgen vielleicht Bayerischer Gründerpreis."
— Peter-Henlein-Gesellschaft
Quellen & Links
Der Peter-Henlein-Preis beschäftigt sich mit frühem Erfindergeist, Innovation und neuen Technologien aus Franken.
Mehr zum Peter-Henlein-Preis